Herbert W. Franke

 

Animierte Grafik – zwei Beispiele

 

Schon bei den frühen Experimenten mit den Mitteln der Computergrafik war klar, dass die besonderen  Möglichkeiten dieser Methode nicht im Einzelbild liegen, sondern im Übergang zur animierten Darstellung. Vieles von dem, was damals produziert, präsentiert und diskutiert wurde, ist nicht gespeichert, bzw. kann mit den heutigen Geräten nicht mehr aufgeführt werden. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die folgenden Sequenzen.

 

Digitaler Einstein 1973/74

 

Bildserie für Überblendungsprojektion von Herbert W. Franke - gestaltet als Einleitung für eine Veranstaltung über digitale bildende Kunst und Musik

Die Serie ist eines der frühesten Beispiele für die Anwendung von Picture Processing in der digitalen Kunst. Der sukzessive Übergang vom erkennbaren Portrait in ein abstraktes Bild, in dem die Bedeutung nicht mehr erkennbar ist, weist auf den Beitrag Einsteins zur neuen Sicht unserer Welt hin, die ihre Anschaulichkeit verloren hat. Die Präsentation erfolgte mit optischer Überblendungsprojektion, begleitet von Toneffekten.

Die Serie entstand mit Hilfe des Bildverarbeitungssystems "Bildspeicher N" für medizinische Diagnose (Auswertung von Szintigrammen) der Fa. Siemens, Erlangen.

Heute lässt sich die Überblendung mit Präsentationsprogrammen realisieren und gemeinsam mit der akustischen Untermalung als Animation speichern; in dieser Form, als avi-Datei (2.753 KB), ist die Serie "Digitaler Einstein" abrufbar. Da die seinerzeit zur Begleitung verwendete Tonfolge nicht mehr zur Verfügung steht, wurde die Sound-Komponente von Jörg Stelkens (www.stelkens.de) mit dem Softsynthesizer crusherX-Live! (www.crusher-x.de) neu konzipiert.

 

Rotationen, Projektionen 1975

 

Computerfilm für eine Ballettaufführung der Experimentierbühne der Bayerischen Staatsoper nach einer Idee von Walter Haupt. Gestaltung der computergenerierten Animation von Herbert W. Franke.

Grundgedanke des Balletts war die Wechselwirkung zwischen einem Tänzer und dem technischen Medium. Es war in drei Teile gegliedert, wobei jeweils verschiedene technische Methoden zum Einsatz kamen: Laserstrahlen, Computeranimationen und die akustische Verstärkung des Herzschlag des Tänzers.

Für die Computeranimation wurde das erste in Deutschland verfügbare System zur interaktiven Steuerung dreidimensionaler Liniennetz-Darstellungen verwendet. Das auf Schwarz-Weiß-Wiedergabe beschränkte System stand zur Erprobung in einem Forschungslabor der Fa. Siemens. Die Auswahl der Bildelemente beschränkte sich auf einfachste Konfigurationen, da andernfalls die Zeiten für den Bildaufbau zu lange wurden, was die Kontinuität der Bewegung störte. Die in Echtzeit entstandenen Bildabläufe zeigen Auffächerungen und Überlagerungen von Linien und geometrischen Figuren - Dreiecke, Quadrate usw.-, die durch Projektionen im dreidimensionalen Raum transformiert wurden. Die Abläufe konnten nicht online gespeichert werden und wurden deshalb mit einer Filmkamera direkt vom Bildschirm abgenommen und bei der Aufführung auch in optischer Filmprojektion gezeigt.

Der Ausschnitt "Projektionen" stammt aus einer CD "Vom Rechenbrett zum Web-PC“, die von der Target-Filmproduktion, München, im Auftrag des Springer-Verlags Heidelberg, produziert wurde.

 

Siehe auch: Computergrafik-Galerie

Animierte Version des mit 'Mathematica' erzeugten Bildmotivs "Peru":

telepolis zu finden p>